Im Jahr 2001 gelang Ingo Schultz bei der Weltmeisterschaft in Edmonton der internationale Durchbruch: Er wurde Vizeweltmeister über 400 m in ausgezeichneten 44,87 sec. Bereits im Zwischenlauf hatte er seine persönliche Bestzeit auf 44,66 sec. gesteigert. Für seine Konkurrenz kam Schultz „wie Phoenix aus der Asche“. Wohl kaum jemand hatte ihm vor dem 400-m-Finale die Silbermedaille zugetraut. Als der spätere Weltmeister Avard Moncur (BAH) in der Pressekonferenz gefragt wurde, wann er den Namen Schultz denn zum ersten Mal gehört habe, war die knappe Antwort: „Gestern“.
Die sportliche Karriere des Bundeswehroffiziers verlief ebenso auffällig wie es seine Erscheinung aufgrund seiner stattlichen 2,01 m Körpergröße ist. Im Jahr 1998 erst mit 23 Jahren - begann er mit dem Leistungssport. Seine erste Meisterschaft bestritt er kurioserweise im Kugelstoßen. Dann folgte sehr schnell hartes Training, und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: 2000 wurde er bereits Deutscher Hallenmeister über 400 m.
Ingo Schultz ist ein echter Glücksfall für den deutschen Leistungssport, denn er steht für herausragende sportliche Leistung und schafft es außerdem, seine berufliche Karriere voran zu treiben. Zur Zeit promoviert er an der Bundeswehr-Hochschule in Hamburg im Fach Speichertechnologie. Für Kinder und Jugendliche ist er ein Vorbild im besten Sinne, und dieser Verantwortung ist sich der 400m-Läufer bewusst: „Kinder sollen sehen, dass das, was man macht, Spaß macht. Wir Athleten sind dann die Heroes der Kids. Die schauen zu uns auf und wir haben Vorbildfunktion.”
Ein weiteres Glanzlicht in seiner Karriere setzte Schultz 2002 bei den Europameisterschaften in München, als er sich vor heimischem Publikum mit einem furiosen Lauf die Goldmedaille sicherte. Der junge Athlet bewies Nervenstärke, denn er konnte dem enormen Erwartungsdruck, der auf ihm lastete, stand halten und errang das einzige Einzelgold für den DLV. Die Saison 2003 begann für Ingo Schultz bereits vielversprechend, am 13. Juni lief er in Kassel mit 20,79 sec. Bestzeit über 200m und am 15. Juni gewann er im Rahmen der DLV-Gala die 400m in 46,08 sec.
Der erste Fingerzeig in Richtung Weltmeisterschaften in Paris gelang dem sympathischen Viertelmeiler am 21. Juni in Florenz/Italien, als er im Rahmen des Europa-Cup-Finale für Nationalmannschaften seine Jahresbestleistung über 400m auf ausgezeichnete 45,18 sec. steigerte und damit die geforderte WM-Norm von 45,55 sec. deutlich unterbot.